Tod eines Lords

"Mit 'Tod eines Lords: Ein Fall für Maud und Lady Christabel' ist C. L. Potter ein spannungsgeladener Krimi gelungen, der mich überzeugen konnte."

Amazon-Rezensentin

264 Seiten spannender Krimi mit zwei Amateurdetektivinnen

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Zum Inhalt

Ob der Tod des Lords wirklich ein Unfall war?

England im Frühling 1912: Um sich von ihrem Kummer abzulenken, plant Lady Christabel einige Tage Urlaub auf dem Land. Doch statt entspannender Tage stolpert sie über die Leiche des jüngsten Sohns ihrer Gastgeber.
 

Unterstützt von ihrer Zofe Maud geht die Amateur-Detektivin dem Täter auf die Spur. Doch wie findet man einen Täter, wenn alle Anwesenden gute Gründe haben, das Opfer zu hassen?


In diesem spannenden Cosy-Crime ermitteln die beiden Amateurdetektivinnen Upstairs und Downstairs.

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Leseprobe zu "Tod eines Lords"

Lady Christabels Mutter wird mir den Hals umdrehen, war der erste Gedanke, der Maud durch den Kopf schoss, als die elegant gekleideten Damen in ihre nicht minder eleganten Handtaschen griffen und Hämmer herausholten. Der Anblick war so überraschend, dass die in Schwarz gekleideten Polizisten ebenso erstarrt verharrten wie Maud. Erschüttert beobachteten sie, wie die Ladys Fenster der piekfeinen Geschäfte an der Bond Street einschlugen. Das Geräusch der klirrenden Scheiben war ohrenbetäubend und übertönte selbst die skandierten »Wahlrecht für Frauen«-Rufe, die die Zerstörung begleiteten. Wie hatte Maud nur in dieses Chaos hineingeraten können?

Ihr Blick irrte von den Ladys hin zu den Bobbys und den Männern am Straßenrand, die nun ihre Chance witterten und mit erhobenen Fäusten auf die Protestierenden zuliefen. Wenn Maud nicht schnell genug wegkäme, würde sie gewiss in eine unerfreuliche Prügelei geraten. Sie drehte den Kopf hin und her, um einen Fluchtweg zu suchen. Dicht an dicht drängten sich die Frauen, wohl, um sich gegen die angreifenden Männer zu wehren.

»Maud? Maud, wo bist du?!«, erklang eine helle Stimme voller Panik, die sie daran erinnerte, warum sie sich hier befand. »Maud, was sollen wir nur machen?«

»Folgen Sie mir.« Maud lief auf die junge Frau zu und ergriff Lady Christabels Arm. »Wir müssen verschwinden. So schnell wie möglich.«

Maud konnte nur hoffen und beten, dass diese Eskapade ihrer Lady nicht zu weitreichenden Konsequenzen führte. Warum gelang es ihr nicht, auf die Vernunft zu hören und sich Lady Christabels Wünschen zu widersetzen? Vor allem, wenn diese vollkommen unvernünftig waren wie heute!

Mehr als einmal hätte sich Maud dafür ohrfeigen können, Lady Christabels Launen nachgegeben zu haben. Wären sie damals nur nicht auf diese vermaledeite Kundgebung der Frauenrechtlerinnen gegangen, dann müssten sie jetzt nicht um ihre Gesundheit und ihr Leben fürchten. Sich für das Wahlrecht einzusetzen, war auch nur eine von vielen Ideen Lady Christabels.

Als gelangweilte Tochter aus gutem Haus suchte und fand sie mit überraschender Regelmäßigkeit etwas Neues, in das sie sich mit immenser Energie stürzte, nur um es nach einem halben Jahr fallen zu lassen. Maud hatte die Malversuche ihrer Lady ebenso überstanden wie deren Begeisterung fürs Gärtnern und die Faszination für das Theater. Daher war Maud davon ausgegangen, auch diese Leidenschaft von Christabel Mowgray wäre ein kurzlebiges Strohfeuer. Als Lady Christabel ihr mit leuchtenden Augen von der Kundgebung dieser sogenannten Suffragetten erzählt hatte, hatte Maud nur mit einem Kopfschütteln geantwortet. Das hatte ihre Ladyschaft tief getroffen.

»Verstehst du nicht, wie wichtig das ist?« Christabel Mowgray stemmte die Hände in die Hüften. Es fehlte nur noch, dass sie wie ein verwöhntes Kind mit dem Fuß aufstampfte. »Ohne Wahlrecht bleiben wir Menschen zweiter Klasse.«

Was weiß jemand wie Sie schon von Armut und Unterdrückung, dachte Maud, aber sie fragte nur: »Wird sich die Welt ändern, wenn Frauen wählen dürfen?«

»Selbstverständlich.« Lady Christabel schüttelte den Kopf über ihre Ignoranz. »Wenn du erst Mrs Pankhurst hast reden hören, wirst du es verstehen.«

Alle weiteren Versuche Mauds, ihre Ladyschaft davon abzubringen, waren ebenso gescheitert. Also hatten sie sich an diesem grauen Novembertag unter einem Vorwand aus dem Stadthaus in Belgravia geschlichen, um Mrs Pankhurst anzuhören und danach an einer Kundgebung teilzuhaben.

Selbst die mit Verve vorgebrachte Rede hatte Maud nicht davon überzeugen können, dass wählende Ladys die Welt verbessern würden. Denn Armut und Elend des Londoner East Ends würde es auch weiterhin geben, wenn Frauen ihre Stimme abgeben durften. Ganz zu schweigen davon, dass viele der Suffragetten das Wahlrecht nur für wohlhabende Damen forderten und arme Frauen weiterhin nicht das Recht bekämen, über ihr Schicksal zu entscheiden.

Trotz dieser Vorbehalte hatte Maud als gute Zofe ihre Lady begleitet und dabei insbesondere die Polizei im Blick gehabt. Sie hatte Übles darüber gehört, wie die Bobbys die Damen behandelten, die für das Frauenwahlrecht kämpften. Wenn die Polizisten schon nicht davor zurückscheuten, ihre Knüppel gegen feine Damen zu schwingen, wie mies würden sie dann erst eine Zofe anpacken?

Also entschied Maud, dass Weglaufen der klügere Teil der Tapferkeit wäre. Als die Ordnungshüter ihre Fassung wiedergewonnen hatten und mit erhobenen Schlagstöcken auf sie zupreschten, zog Maud Lady Christabel hinter sich her und schürzte die Röcke, um davonzurennen. Doch sie hatte nicht mit dem Eigensinn ihrer Ladyschaft gerechnet.

»Kommen Sie, Mylady.« Maud griff Lady Christabels Arm und wollte sie hinter sich her zerren, nur weg von den prügelnden Polizisten und schreienden Frauen. »Wir müssen abhauen, so schnell wir können.«

»Ich lasse meine Schwestern nicht im Stich.« Mit der ihr eigenen Sturheit stemmte Christabel Mowgray die Füße in den Boden und bewegte sich kein Stück. »Ich bin bereit, für meine Überzeugungen ins Gefängnis zu gehen.«

Manchmal kam es Maud vor, als wäre sie zwanzig Jahre älter als ihre Ladyschaft und nicht nur fünf. Womöglich wäre sie auch derart weltfremd, wenn sie mit einem goldenen Löffel im Mund geboren wäre wie Lady Christabel. Maud hatte gelernt, sich mit ihrem Platz in der Welt zu bescheiden, aber an Tagen wie diesen verfluchte sie das Schicksal, das sie nach London geführt hatte. Wenn ihre Ladyschaft in dieser bockigen Stimmung war, half nur eines: ehrliche und deutliche Worte.

»Das sagen Sie nur, weil Sie noch nie einen Knast von innen gesehen haben«, zischte Maud. »Dort stinkt es wie in einer Kloake und es ist eisig kalt. Sie müssen sich mit vielen einen winzigen Raum teilen. Kommen Sie!«

Zu Mauds Erstaunen gab Lady Christabel so plötzlich nach, dass Maud ins Stolpern geriet. Nachdem sie sich gefangen hatte, sah sie hoch und entdeckte einen Ausdruck von Verblüffung, gepaart mit Ekel auf Lady Christabels feinen Zügen. Aus verengten Augen musterte ihre Ladyschaft einen elegant gekleideten Gentleman, der sich weder von den Bobbys noch von den kreischenden Damen einschüchtern ließ. Die Polizisten, die eben noch auf Maud zugelaufen kamen, drehten um, um sich einfachere Opfer zu suchen.

Neugierig betrachtete Maud den Gentleman, den sie auf den ersten Blick unerfreulich fand. Möglicherweise hatte sie zu viele Kriminalromane gelesen, in denen die Bösewichte dunkelhaarige Männer mit eingefallenen Gesichtern waren. Aber nein, das war es nicht allein. Es war der Ausdruck von Arroganz und Langeweile, der auf seinen hageren Gesichtszügen lag. Die Mundwinkel waren spöttisch herabgezogen, als wüsste er mehr als die anderen in seiner Umgebung. Wer war das und was verband ihre Ladyschaft mit ihm?

»Christabel Mowgray. Wie überaus überraschend, Sie hier anzutreffen.« Ein süffisantes Lächeln erschien in seinen Mundwinkeln. »Ich hoffe sehr, Sie haben nichts mit dem Getümmel dort hinten zu schaffen?«

»Lucian Willmington.« Maud bemerkte, wie Lady Christabel ihre Nase rümpfte, als würde man sie mit einem verfaulten Stück Fleisch konfrontieren. »Auch ich habe nicht erwartet, Sie hier zu sehen.«

»Mylady«, drängte Maud, die fürchtete, dass ihnen wenig Zeit für höfliches Geplänkel blieb. »Wir sollten uns sputen.«

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Blick hinter die Kulissen

Mit "Ein Fall für Maud und Lady Christabel" schreibe ich eine Landhauskrimi-Reihe, die im Edwardinischen England von 1912 spielt. Meine Heldinnen sind eine junge Lady, die sich für Detektivarbeit begeistert, und ihre Zofe, deren Vergangenheit im Dunkeln liegt.

Maud ist mir näher als Lady Christabel, weil meine Mutter in den 1960er Jahren als Hausmädchen arbeitete, zwar nicht in England, aber mit Familienanschluss. Wenn sie uns Kindern davon erzählte, kam es uns immer vor wie ein Roman. Meine Mutter war 15 Jahre alt, als sie als Hausmädchen zu ihr völlig fremden Menschen zog und dort sowohl für die Küche als auch für die Kinderbetreuung zuständig war. Für ein Flüchtlingslind vom Land war der städtische Haushalt ein Buch mit sieben Siegeln und der Angst verbunden, etwas falsch zu machen. Glücklicherweise hatte meine Mutter eine wunderbare Herrschaft, die ihr geholfen hat, die Abendschule zu besuchen, um einen anderen Lebensweg zu gehen.

Trotz dieser Unterstützung und aller Freundlichkeit war es beiden Seiten klar, dass man in unterschiedlichen Welten lebte. Gleichzeitig hat meine Mutter durch das Zusammenleben natürlich sehr viel vom Leben ihrer Arbeitgeber erfahren, den Kindern war sie oft näher als die eigene Mutter.

Diese Spannung zwischen Nähe und Distanz, zwischen oben und unten fasziniert mich, seitdem meine Mutter das erste Mal aus ihrem Leben vor der Familie erzählt hat. Durch Maud und Lady Christabel gebe ich beiden eine Stimme und bin selbst gespannt, wie sich ihre Freundschaft entwickeln wird.